iXS Swiss Downhill Cup Zermatt & Bellwald

Der Nachfolgende Text ist ein Auszug aus der Mtb-Rider, für die ich den Rennbericht der beiden Rennen geschrieben habe.

Bereits am Donnerstag machten mein Kumpel Jonas und ich uns auf den Weg nach Zermatt, um beim zweiten Lauf des IXS Swiss Downhill Cup & der Schweizer Meisterschaft am Start zu sein. Zermatt ist ein kleines Dörfchen

unterhalb des Matterhorns, welches auf 1600m/NN liegt und, nach allem was wir vorher gehört haben, optimale Voraussetzungen für ein Downhill Rennen bietet.

Als wir am Freitagmorgen das erste Mal die Strecke besichtigten, bestätigte sich dies prompt. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich, stellenweise recht steil und technisch sehr anspruchsvoll. Mit etwa 600 Höhenmetern, circa 3,5 km Streckenlänge und einer Fahrzeit von weit über 5 Minuten gehört sie außerdem zu den längsten Strecken, die ich je gefahren bin. Aufgrund der Vielzahl an Linien und Möglichkeiten (stellenweise gab es bis zu drei unterschiedlich gesteckte Lines) war es sehr schwer, sich für das Rennen die besten rauszusuchen und die perfekte Krafteinteilung zu finden.

Das Training am Freitag machte einfach nur Spaß. Es war eine sehr schnelle unterirdische Schrägseilbahn im Einsatz, welche uns in nur vier Minuten zum Start chauffierte. Da nur etwa 170 Fahrer angereist  und die Trainingszeiten sehr großzügig gestaltet waren, gab es kaum Wartezeiten am Lift, weshalb man nach Herzenslust fahren gehen konnte. Im Laufe des Trainings stellte sich jedoch heraus, dass die Streckendesigner es bei dem bau der Sprünge etwas zu gut gemeint haben. Als dann am Freitagabend von den Fahrern ein inoffizielles Fahrermeeting einberufen wurde, und sich die Fahrer bezüglich der Sprünge einig waren, lenkte auch der Veranstalter ein und sperrte den größten Sprung.

Am Samstag standen dann die Qualifikationsläufe fürs Finale an. Da das Training überwiegend im Trockenen stattfand, es aber zum Zeitlauf regnete, wusste keiner der Fahrer, was ihn letztendlich erwartete. Am Ende konnte der Junior Lutz Weber/iXS Sports Division die Qualifikation vor Nick Beer/Scott11 und Martin Frei/GT Bikes für sich entscheiden. Bei den Frauen sicherte sich Emilie Siegenthaler/Scott11 mit 21 Sekunden Vorsprung den letzten Startplatz vor Miriam Ruchti/dr-gravity union und Caroline Forrer/iXS Sports Division.

Marcel Beer/GT Bikes, sicherlich einer der Mitfavoriten auf den Schweizer Meistertitel, musste leider schon im Training seine Hoffnungen begraben, da er an einem recht großen Hip Jump stürzte und sich ein Handgelenk brach. Daher an dieser Stelle gute Besserung an ihn, sowie an alle anderen Verletzten.

Am Sonntag besserte sich das Wetter, und wir konnten zum ersten Mal an diesem Wochenende mit freiem Blick auf das Matterhorn und einem Wahnsinnspanorama am Start stehen. Da an diesem Wochenende neben dem Downhill auch noch die Schweizer Meisterschaften im Fourcross anstanden, fand unser Finale bereits am Sonntagvormittag statt.

In der Klasse der Lizenz Juniorinnen sicherte sich Kim Schauff/Team PlanB den Sieg vor Lauriane Darbre, gefolgt von Caroline Fellay. Bei den Elite Women schaffte es Emilie Siegenthaler nicht ganz, ihren Vorsprung vom Vortag zu halten, gewann aber trotzdem mit knapp 13 Sekunden vor Martina Bruehlmann/iXS Sports Divison und Miriam Ruchti. Da es in dieser Klasse keine Beteiligung aus dem Ausland gab, sind dies auch die Ergebnisse der Schweizer Meisterschaft.

Bei den Lizenz Junioren konnte sich Basil Weber/ewz MTB Team Loop den obersten Podestplatz bei der Schweizer Meisterschaft sichern. Bei den Elite Men reichte seine Zeit immerhin für Platz 8. Zweiter wurde Freddy Hunziker/Scott11 (9.), gefolgt von Christoph Faessler/Thomyk (12.). Lutz Weber, der am Vortag eine Topzeit fuhr, stürzte leider in seinem Finallauf und spielte bei der Schweizer Meisterschaft somit keine große Rolle mehr - Platz 10 (44.) für ihn.

In der Klasse der Elite Men schaffte es Nick Beer (5:08;405min) trotz eines Sturzes, seinen Meistertitel mit knapp 7 Sekunden Vorsprung zu verteidigen. Dominik Gspan/ewz MTB Team Loop (5:15;209min), der die Strecke in den letzten Monaten gebaut hat, fuhr auf Platz zwei, und als dritter beendete das Rennen Ludovic May/Cross Road Martigny (5:17;816min). Da kein Ausländer unter die ersten drei fuhr, sind dies auch die Ergebnisse der Schweizer Meisterschaft.  Aus deutscher Sicht lief das Rennen auch recht gut. Marcus Klausmann/Ghost landete auf Platz 5, Benny Strasser/Toxoholics auf Platz 7, Frank Hedwig/Bergamont auf Platz 15, ich/Team Last auf Platz 22 und Ralf Schupp/Marin auf Platz 24.  Schnellster deutscher Junior war Phillip Bünnemann/Zonenschein (29.), gefolgt von Fabian Fader/Solid Aclass Factory (35.).

Dieses Rennen war in jedem Fall eine gelungene Generalprobe für die Europameisterschaft, die 2011 von iXS in Zermatt ausgerichtet wird.

Zwei Wochen später stand das Finale des iXS Swiss Downhill Cups in Bellwald auf dem Terminkalender. Nachdem ich außer Zermatt auch schon beim Stop am Wiriehorn dabei war, habe ich nicht lange überlegt und mich mit Daniel auf den Weg ins Wallis gemacht. Nach etwa neun Stunden im Auto, geplagt von Stau, verpassen des letzten Autozuges am Lötschbergtunnel, und überqueren von 2 Pässen da der Gottharttunnel gesperrt war, kamen wir endlich nachts um halb 3 in Bellwald an. Nach einigen Schwierigkeiten bei der Stellplatzsuche in dem leider viel zu kleinen Fahrerlager konnten wir uns endlich hinlegen und dem Training entgegenfiebern.

Am Freitag lief alles wie in der Schweiz üblich. Die Anmeldung war schnell erledigt, der Lift beförderte uns zügig nach oben und die Strecke präsentierte sich weitgehend unverändert, sehr schnell, spaßig und in bestem Zustand. Einzig der Zielbereich wurde komplett überarbeitet, und den recht „stumpf“ wirkenden alten Zielsprung der letzten Jahre ersetzt nun ein schön gebauter Double. Selbst das Wetter spielte mit und bescherte uns den kompletten Freitag optimale Trainingsbedingungen. Dabei hatten wir wirklich Glück. Die Webcam Bilder der Tage vor dem Rennen ließen auf ein verschneites Wochenende hoffen, und auch auf dem Hinweg waren bereits auf den Pässen erste Schneefelder zu erkennen.  Das Schnee in Bellwald Anfang Oktober nicht wirklich selten ist sollte den meisten nach dem Finale des iXS SDC 2008 in Erinnerung geblieben sein.

Auch am Samstag erwartete uns absolutes Kaiserwetter. Man konnte vom Start aus das wunderschöne Schweizer Bergland bewundern und sich bis 14 Uhr im Training so richtig austoben. Aufgrund des abweichenden Zeitplans kamen auch Hobbyfahrer voll auf ihre Kosten und nutzten die Trainingszeiten voll aus. Die Strecke veränderte im Laufe des Tages ihren Charakter von „sehr flowig“ in „sehr ausgefahren“, was vielen Fahrern sichtliche Probleme bereitete.

Die Qualifikation sorgte dann für ein aus deutscher Sicht positives Ergebnis . Noah Grossmann/Eaze Global Platzierte sich mit einer Zeit von 3:32;423 min auf Platz 4. Alexandre Lohner/RVTT Morillon fuhr mit 3:32;398 min auf Platz 3, Nick Beer/Scott11 kam mit seiner Zeit von 3:24;868 min „nur“ auf Platz 2, und den letzten Startplatz fürs Finale konnte sich Oscar Härnström/Viro Empire Team mit einer Zeit von 3:24;671 min sichern. Oscar bewies schon in den letzten Jahren, dass ihm diese Strecke sehr liegt, und machte mit diesem Lauf seine Ambitionen für den Sonntag deutlich.

Bei den Frauen konnte sich die frisch gebackene Schweizer Meisterin(Downhill&4cross) Emilie Siegenthaler /Scott11 mit einer Zeit von 3:54;796 min den letzten Platz für Sonntag sichern und verwies damit Martina Brühlmann/ixs Sports Division (4:00;670 min) auf Platz 2. Dritte wurde Morgane Charre/Banshee mit einer Zeit von 4:03;453 min.

Nach der Qualifikation beteiligten sich einige Fahrer noch an einer Gedenkfahrt zu Ehren von Toni Galfano, der 3 Wochen vor dem Rennen bei einem tragischen Zwischenfall in Bellwald ums Leben kam.

Am Sonntag zogen dann zwar wieder Wolken auf, dennoch blieb es bis zum Ende der Veranstaltung trocken. Die Strecke wurde im Vergleich zum Samstag noch einmal um einiges schneller und die gröbsten Löcher hat die Streckencrew schon am Samstagabend beseitigt. Also ging es mit besten Voraussetzungen ins Finale.

In der Klasse Women mit Lizenz rutschte die Qualifikationszweite Martina Brühlmann mit einer Zeit von 3:59;659 min hinter Morgane Charre (3:53;246 min) zurück. Emilie Siegenthaler konnte ihre Zeit aus der Qualifikation noch mal um über vier Sekunden verbessern und gewann das Rennen mit einer Zeit von 3:50;339 min. In der Gesamtwertung hat nun Emilie Siegenthaler (110p) die Nase vor Martina Brühlmann (95p). Miriam Ruchti (75p) landet auf Rang 3.

In der Klasse Herren mit Lizenz konnte dann Noah Grossmann auf seinen Lauf vom Samstag noch mal ordentlich einen draufsetzten. Mit einer Zeit von 3:27;325 min schoss er nur knapp eine Sekunde am Treppchen vorbei und erreichte damit sein bisher besten Ergebnis. Auf Platz vier fuhr Romain Paulman/VTT Lozere (3:36;400 min) der in Jeans mit Singlecrown Freerider wohl einen der lässigsten Styles des gesamten Wochenendes gehabt haben dürfte. Auf Platz drei fuhr mit einer Zeit von 3:26;113 min der zweite der Schweizer Meisterschaften Dominik Gspan/ewz Mtb Team Loop, der sich jedoch knapp drei Sekunden hinter dem Schweden Oscar Härnström(3:23;343 min) einreihen musste. Nick Beer(3:18;633 min) bewies ein weiteres Mal seine Klasse und gewann das Rennen mit knapp 5 Sekunden Vorsprung. Mit diesem Sieg sicherte er sich außerdem mit nun insgesamt 300 Punkten den ersten Platz in der Gesamtwertung. Auf Platz 2 landet Dominik Gspan (260p) vor Oscar Härnström (212p).

Bellwald zeigte wieder einmal mit einer absoluten Top Organisation, dass Sie zu Recht das Finale des iXS SDC ausrichten und bereitete allen Athleten ein spitzen Wochenende voller Spaß, Party und sportlichen Höhepunkten. Allein von der Liebe zum Detail, wie zum Beispiel einen Stromanschluss im Fahrerlager, oder Absprachen mit den Ortsansässigen Hotels, was die Nutzung der Sanitären Anlagen betrifft, könnten sich deutsche Veranstalter inspirieren lassen.